Die Geschichte der Grundmühle

Wo heute gefeiert, gelacht und gemeinsam Zeit verbracht wird, wurde schon vor Jahrhunderten gemahlen, gebacken und ausgeschenkt.

Die Grundmühle im Radebeuler Lößnitzgrund blickt auf eine Geschichte zurück, die mehr als fünf Jahrhunderte umfasst. In dieser langen Zeit hat sich vieles verändert: Aus einem Mühlenstandort wurde ein Ensemble aus Mühle, Bäckerei und Gastwirtschaft, später drohte der historische Gebäudekomplex sogar dem Verfall und Abriss. Und doch begann immer wieder ein neues Kapitel.
Heute ist die Grundmühle wieder ein Ort der Begegnung – und wir freuen uns, ihre Geschichte weitererzählen zu dürfen.

Wo alles begann

Schon 1471 wird die heutige Grundmühle erstmals urkundlich als „Mühle unter Wahnsdorf“ erwähnt.
Damit gehört sie zu den ältesten überlieferten Mühlenstandorten im Lößnitzgrund.
Auch auf einer Karte des kursächsischen Landvermessers Georg Öder aus dem Jahr 1570 ist die Mühle als eine der sieben Mühlen entlang des Lößnitzbaches verzeichnet.


Wie sie damals genau genannt wurde, darüber lässt sich auch heute noch diskutieren. In der Heimatforschung finden sich die Bezeichnungen Carlowitzmühle und Mühle des Urban Genser. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts setzte sich schließlich der Name Grundmühle durch – jener Name, unter dem das Haus bis heute bekannt ist.
Und vielleicht ist es gerade diese Mischung aus gesicherten Fakten, alten Bezeichnungen und kleinen offenen Fragen, die den Reiz der Geschichte ausmacht.

Vom Mühlenstandort zum Ausflugsziel

Im heutigen Gastraum hängt noch ein altes Bild, das das Anwesen in früheren Zeiten zeigt. Wer es betrachtet und anschließend aus dem Fenster schaut, wird allerdings feststellen: Vieles davon ist heute kaum noch wiederzuerkennen.
Das liegt vor allem daran, dass sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts einiges tat.

1878 begann eine rege Bautätigkeit auf dem Grundstück. Der damalige Besitzer Eisold, ein bekannter Bauunternehmer aus Serkowitz, prägte damit das Erscheinungsbild der Grundmühle entscheidend.
Das Gasthaus an der Mühle wurde errichtet, bereits 1881 kam die Veranda hinzu.
Mühle, Bäckerei und Gastwirtschaft bildeten nun ein lebendiges Ensemble. Aus dem Ort, an dem einst vor allem gemahlen und gearbeitet wurde, war zunehmend ein Platz geworden, an dem man auch einkehren, essen und miteinander Zeit verbringen konnte.

Wie die Grundmühle zum Gasthaus wurde

Der Weg zur Gastwirtschaft lässt sich sogar anhand von Genehmigungen nachvollziehen.
Bereits 1872 beantragte Friedrich August Schneider, der damalige Pächter der Grundmühle, eine Konzession für Kaffee- und Weinschank sowie einfache kalte Speisen. Die Erlaubnis erhielt er vom Königlichen Gerichtsamt Moritzburg.
Doch offenbar sollte das Angebot noch etwas größer werden.

1875 beantragte Schneider zusätzlich den Ausschank von Bier und Wein – zunächst ohne Erfolg. Nach einer weiteren Antragstellung und erneuter Ablehnung dauerte es schließlich bis zum 13. März 1877, ehe die gewünschte Konzession erteilt wurde.
Damit war der Weg endgültig frei für eine richtige Gastwirtschaft.
Die Grundmühle war nun nicht mehr nur ein Ort des Handwerks, sondern auch ein Ort der Einkehr

Mühlrad, Turbine und neue Zeiten

Während sich die Gastwirtschaft entwickelte, blieb auch der eigentliche Mühlenbetrieb nicht stehen.
1905 wurde das Gebäude vollständig aufgestockt.
Nur drei Jahre später folgte eine technische Neuerung: 1908 wurde das hölzerne Mühlrad durch eine Turbine ersetzt.
Tradition und Fortschritt gingen hier also buchstäblich Hand in Hand. Wo über Jahrhunderte die Kraft des Wassers ein hölzernes Mühlrad angetrieben hatte, hielt nun moderne Technik Einzug.

Die Grundmühle in den 1920er-Jahren

Am 1. Januar 1927 übernahm Max Friedrich Schneider, der Sohn des bisherigen Betreibers, die Mühle.
Doch schon wenige Monate später änderte sich erneut die Situation: Am 19. Juli 1927 pachtete Richard Kränkel, der Obermüller der Dresdner „Saxonia-Mühle“, die Grundmühle.

Sein Erlaubnisschein war dabei an eine heute ungewöhnlich klingende Bedingung geknüpft:
Frische Milch musste jederzeit zum Verzehr bereitgehalten werden.
Eine kleine Vorschrift, die uns heute schmunzeln lässt – und gleichzeitig einen schönen Einblick in den Alltag einer Gastwirtschaft jener Zeit gibt.

Vom lebendigen Gasthaus zum Verfall

Viele weitere Jahre wurde in der Grundmühle gearbeitet und Gäste wurden bewirtet. Doch die Zeiten änderten sich.
In der DDR-Zeit war der Niedergang des alten Mühlen- und Gastwirtschaftsbetriebes schließlich kaum noch aufzuhalten.
1960 gaben die Wirtsleute den Betrieb auf.

Damit begann für den historischen Gebäudekomplex eine schwierige Zeit. Wo zuvor gemahlen, gebacken, gekocht und ausgeschenkt worden war, wurde es zunehmend still.
Die Gebäude verfielen mehr und mehr – zeitweise wurde sogar über einen Abriss nachgedacht.
Für einen Ort mit einer Geschichte von mehreren Jahrhunderten hätte dies beinahe das Ende der Grundmühle bedeutet.
Doch es sollte anders kommen.

Ein neuer Anfang in den 1980er-Jahren

Zu Beginn der 1980er-Jahre erwarb Ronald Galle das Grundstück von einer Erbengemeinschaft.
1983 beteiligte sich auch die Familie Schenkel an dem Grundstück. Das Anwesen wurde fortan gemeinschaftlich aufgeteilt und weiterentwickelt.
Damit begann langsam die Wende in der Geschichte des alten Gebäudes.
Und schließlich kehrte auch das zurück, was so lange gefehlt hatte: Leben.

Am 5. Dezember 1992 wurde in der ehemaligen Backstube wieder ein Gasthaus eröffnet.
Die Familie Schenkel ließ damit den Namen „Grundmühle“ wieder aufleben.
Nach Jahren des Verfalls wurde das historische Anwesen erneut zu einem Ort, an dem Menschen zusammenkamen. Familien feierten Geburtstage und Hochzeiten, Gäste trafen sich bei Kaffee und Kuchen oder zum gemeinsamen Essen – und viele Menschen verbinden bis heute ganz persönliche Erinnerungen mit der Grundmühle.
Damit begann ein neues Kapitel, das die Geschichte des Hauses bis in die Gegenwart prägen sollte.

Ein Haus im Wandel

Wie so viele gastronomische Betriebe blieb auch die Grundmühle von den Veränderungen der vergangenen Jahre nicht verschont.
Die Corona-Pandemie und ein familiärer Schicksalsschlag im Jahr 2023 führten dazu, dass der Betrieb schließlich nur noch provisorisch weitergeführt werden konnte.
Am 30. September 2025 öffnete das Gasthaus schließlich zum letzten Mal in seiner bisherigen Form.
Nach mehr als drei Jahrzehnten gastronomischem Betrieb schien damit erneut ein Kapitel der Grundmühle zu Ende zu gehen.
Doch wenn man eines aus ihrer langen Geschichte lernen kann, dann wohl dieses:
Das Ende eines Kapitels muss nicht das Ende der Geschichte sein.

Ein neuer Anfang – und viele neue Geschichten

Die Grundmühle beginnt damit ein neues Kapitel.
Aus dem klassischen Gasthaus entsteht eine Eventlocation mit historischem Charakter.
Ob Hochzeit, Geburtstag, Familienfeier, Vereinsveranstaltung oder Firmenfeier – die alten Räumlichkeiten sollen auch in Zukunft ein Ort sein, an dem Menschen zusammenkommen, gemeinsam feiern und besondere Erinnerungen schaffen.
Dabei bleibt vieles, was die Grundmühle über Jahrhunderte ausgemacht hat, erhalten:
Menschen kommen hier zusammen.

Früher nach getaner Arbeit, später auf ein Bier, einen Kaffee oder ein gemeinsames Essen – und heute zu den ganz besonderen Momenten des Lebens.
Die Mühle mag längst nicht mehr so aussehen wie auf dem alten Bild im Gastraum. Das Mühlrad wurde durch eine Turbine ersetzt, Gebäude wurden aufgestockt und umgebaut, der Betrieb kam zum Erliegen und erwachte wieder zu neuem Leben.
Doch eines hat sich über all die Jahrhunderte gehalten:
Die Grundmühle ist ein Ort der Begegnung.
Und nun freuen wir uns darauf, gemeinsam mit Ihnen das nächste Kapitel dieser Geschichte zu schreiben.

Mehr Geschichte entdecken

Die Geschichte der Grundmühle ist viel umfangreicher, als wir sie hier erzählen können. Hinter den Jahreszahlen stehen Menschen, Familien, Pächter, Handwerker, Wirtsleute und Gäste – und damit unzählige kleine Geschichten, die über die Jahrhunderte entstanden sind.

Wenn Sie sich für die vollständige Geschichte der Grundmühle interessieren, können Sie sich gerne an Herrn Ronald Galle wenden.
Auf Wunsch laden wir Sie auch herzlich zu einer kleinen Führung durch die historischen Räumlichkeiten ein. Dabei erzählen wir Ihnen gerne mehr über die Geschichte des Hauses und zeigen Ihnen die Spuren, die von seiner bewegten Vergangenheit bis heute erhalten geblieben sind.
Denn Geschichte findet man manchmal nicht nur in alten Büchern.
Manchmal steht sie einfach mitten im Raum.